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Den Sammlerinnen

März 9, 2011

In Deutschland wird gestritten, ob man unbedingt einen Weltfrauentag braucht. So langsam hat es sich ja fast, zumindest auf den ersten Blick, mit dem schädlichen Sexismus und auch der Teil der weiblichen Welt, dem nicht entgeht, dass wir immer noch weniger verdienen als Männer oder bei der Jobsuche benachteiligt werden, weil man uns die lästige „Angewohnheit“ nachsagt, Kinder zu kriegen, zweifelt häufig, dass ein Geschlechtsunterschiedsgedenktag hier Abhilfe schaffen kann.
Ein wenig Huldigung haben wir offengestanden ja schon verdient, schließlich tragen wir unbestreitbar mehr zum Fortbestand der Menschheit bei, als die Männer: Die Zeiten, in denen er das Essen jagte, während sie die Kinder hütet sind lange vorbei. Frauen heute jagen, sammeln, stillen, putzen und denken und während die meisten dieser Tätigkeiten auch von Männern ausgeübt werden, bleibt uns das Kinderkriegen und die damit verbundene Arbeit, die uns nie ein Mann wird abnehmen können, alleine vorbehalten (Filme mit Arnold Schwarzenegger und bizarre medizinische Experimente ausgenommen).
Aber so unterm Strich kann die deutsche Frau nicht allzu laut klagen. Im internationalen Vergleich. Und es ist ja der WELTfrauentag.
Frauen in Peru stehen um 5h morgens auf, um für Ehemann und Kinder zu kochen. Gehen dann den ganzen Tag arbeiten. Kommen irgendwann um 21h nach hause. Kochen. Schauen die Hausaufgaben der Kinder nach. Erledigen Papierkram für die Kinder, telefonieren mit Lehrerinnen und was auch immer anfallen mag. Putzen. Schlafen. Stehen um 5h morgens auf.
Dieser Tagesablauf ist so tatsächlich typisch für die meisten meiner peruanischen Kolleginnen. Ebenfalls typisch ist, dass der Ehemann gleichzeitig zwar auch arbeiten geht. Während sie aber kocht, liegt er noch im Bett. Und während sie abends die Kinder versorgt, sitzt er auf der Couch und sieht fern. Und wer von den Damen daheim jetzt den Finger hebt und sagen will, dass der Ehemann weniger staubsaugt, als sie: Glaubt mir: Kein Vergleich. Ebenfalls üblich ist nach wie vor, dass sich männlicher Nachwuchs nicht an der Hausarbeit beteiligt. Und männlicher wie weiblicher Nachwuchs lebt in der Regel mit Mitte zwanzig noch bei Mama. Die trotzdem jeden Tag das Essen kocht, mit Sonderwünschen.
So lebt in Peru die Frau der Mittelschicht. Die Frau der Unterschicht hockt den ganzen Tag in einem Bretterverschlag mit zahlreichen Kindern, von denen sie das erste normalerweise mit deutlich unter 20 Jahren bekommen hat. Sie kauft ein, kocht, putzt und versucht, mit Handarbeiten oder ähnlichem noch was dazu zu verdienen. Wenn abends der Mann kommt, wird ihm gegeben was er verlangt und wenn dabei noch mehr Kinder rauskommen, weil er Kondome unmännlich findet, ist das ihr Problem. Ebenso wie Vergewaltigung in der Ehe, steht körperlicher Missbrauch auf der Tagesordnung und wenn er irgendwann mit ihr fertig ist und sich eine Andere sucht, kann die Verlassene gucken wo sie bleibt, denn in Peru zahlt natürlich kein fremdvögelnder Familienvater Unterhalt. Und wer nicht arbeitet, der isst auch nicht. Und wer drei Kleinkinder zuhause hat, stellt fest, dass sich das schwer mit Arbeit auf der Straße kombinieren lässt.
Frauen wird, jedem Vorurteil gerecht, auf der Straße hinterhergepfiffen und im Fernsehen, Zeitschriften oder auf der Restaurantbandbühne treten sie möglichst halbnackt auf. Waschmittel- und Speiseölwerbung wird grundsätzlich nur für Frauen gemacht. Das bedrückende daran ist, dass den meisten nicht klar ist, was daran nicht stimmt.
Wer also zum nächsten Weltfrauentag keine Lust hat, sich über schlechtere Bezahlung von Frauen in „Spitzenpositionen“ zu echauffieren, der möge den Tag denjenigen Frauen widmen, die heute noch schlechter dastehen, als unsere deutschen Mütter und/oder Großmütter vor vielen Jahren und sich über das freuen, was Frauen in Deutschland vor uns erreicht haben.

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One Comment leave one →
  1. März 10, 2011 1:31 am

    ich hab deine weisen Worte mal für die schöne Welt auf meinem Blog velinkt.

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